Werbung

Quadratschädel, Pockennarben, zentimetertiefe Wangenfalten, komische blaue Augen und zwei wirklich starke Schultern: Detektiv Brenner ist wieder im Einsatz! Sein neuer Fall ist nicht gerade einfach. Brenner stößt auf eine Mauer des Schweigens. Kein Wunder! „Silentium!“ ist schließlich die wichtigste Verhaltensregel im Salzburger Marianum, einem sehr angesehenen und sehr katholischem Salzburger Knabeninternat (die Ähnlichkeiten mit einem tatsächlich existierenden Institut sind unschwer zu erkennen). Im Auftrag der Internatsleitung soll Brenner herausfinden, was hinter den hässlichen Gerüchten rund um den Mitarbeiter Schorn steckt. Ist der Priester und Erzieher damals beim „Hygieneunterricht“ mit dem ehemaligen Zögling Gottlieb Meller wirklich zu weit gegangen? Eine brisante Frage, auch wenn der Vorfall bereits viele Jahre zurückliegt. Schließlich wird Schorn als Kandidat für ein Bischofsamt gehandelt.

Noch bevor Brenner die Frage nach Schorns Schuld oder Unschuld beantworten kann, wird Gottlieb Meller ermordet. So nebenbei lässt Brenner in seine Erzählchronik einfließen, dass noch drei weitere Morde auf den Leser warten. Jede Menge magenumdrehende Details über den Zustand der Opfer folgen bis Brenner das Verwirrspiel, in das auch die Salzburger Festspiele verwickelt sind, löst. Die letzten schockierenden Einzelheiten erfahren wir im dramatischen Schlussteil des Buches, in dem es für Brenner ganz schön gefährlich wird.

In „Silentium“ zeichnet Wolf Haas ein etwas anderes Salzburg-Bild als wir es aus Literatur und Medien gewohnt sind: So lässt er Brenner etwa über die Vorzüge der beliebtesten Salzburger Selbstmörder-Plätze nachsinnieren. Der besondere Blick Brenners gilt nicht nur der Stadt sondern auch seinen Bewohnern und das klingt dann auf „Brennerisch“ etwa so: „Weil nicht nur die Stadt weltberühmt, auch Salzburger Vermieter weltberühmte Halsabschneider.“ Wenn es um das (unheilvolle) Wirken der katholischen Kirche geht, hat Haas aber nicht nur Salzburg im Visier, sondern begibt sich auch auf internationales Parkett - etwa nach Afrika, „wo sie die Kondome lieber aufsparen als Willkommensluftballone für den nächsten Papstbesuch“...

So bissig und gemein ist „Silentium“, ein Buch, das nicht nur als Krimi, sondern auch als alternativer Salzburg-Stadtführer wärmstens empfohlen werden kann.

Wolf Haas
Silentium
Rowohlt, 222 Seiten.