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Don Karlos, Schillers Übergangsdrama, gehört zu den meistgelesenen Stücken der deutschen Literatur. Gerade die Tatsache, dass es sich nicht recht nach gängigen Schemata einorden lässt, mach es interessant. Die folgenden Tabellen halten stichwortartig das Wichtigste fest, was man über die Thematik des Stückes, seine Entstehung sowie seine Einheit und die Tragik der Personen wissen sollte:


Thematik:
- Humanitätsideal
- Aufklärung
- Freiheitsideal
- Despotismus
- Freundschaft, Liebe

Epoche:

Übergangsdrama: zwischen „Sturm und Drang“ und „Klassik“

Sturm und Drang:
Merkmale: gefühlsbetont, leidenschaftlich, gegen aristokratische Autorität, „Herz“, gegen enge Moralvorstellungen
Sprache: affektgeladen, Syntaxauflösung, Ausrufe, Hyperbeln

Klassik:
Merkmale: Erziehung zum besseren Menschen, Streben nach Humanität, Streben nach antikem Schönheitsideal (Harmonie des Geistes)
Sprache: stilisierte Kunstsprache, sentenzhaft, rhythmisiert

Geschichtlicher Hintergrund

- Fürstlicher Absolutismus
- Französische Revolution, Unruhen, Aufklärungsgedanke

Schillers Biografie

- geb. 1759 in Marbach am Necker
- 1773: gegen eigenen Willen Schule an Militärakademie
- 1782: Uraufführung „Die Räuber“ Herzog Karl Eugen verbot weitere schriftstellerische - Aktivität Flucht mit Andreas Streicher - Asyl in Bauerbach - 1783: Rückkehr nach Mannheim
- 1785: Christian Gottfried Körner hilft ihm aus finanzieller Notlage
- 1788: Erstes Treffen mit Goethe in Weimar
- 1805: gestorben

Schillers Philosophie

- „Über Anmut und Würde“: Harmonie zwischen Neigung und Pflicht - schöne Seele
- „Über die Erzieherische Erziehung des Menschen“: Kunst führt den Menschen zu innerer Harmonie
- Poetische Wahrheit: Fakten dürfen verändert werden

Problematik – keine Tragik und Einheit des Stückes

Tragik der Personen - Schillers Definition:
- Hauptperson steht zwischen zwei gleichwertigen Pflichten bzw. zwischen Pflicht und Neigung
- Held leidet
- Entscheidet sich für das moralisch Höherwertige und nicht Persönliche
- Am besten: von nobler Herkunft
- Intelligent, bedenkt die Konsequenzen seines Handelns

- Personen in „Don Karlos“ sind NICHT tragisch:
- Karlos: kommt bzgl. der unsittlichen Liebe zur Besinnung; Entscheidung zur Rettung Flanderns erfolgt impulsiv, nicht bewusst, er setzt Plan aufs Spiel, indem er seinen Tod in Kauf nimmt.
- Posa: Freundschaft und Freiheit sind kein Widerspruch - es erfolgt keine Entscheidung
- Phillip: entscheidet sich für das moralisch Minderwertige
- Elisabeth: trägt keine Konsequenzen für ihr Verhalten (Hilfe für Flandern)

Keine Einheit des Stückes:
- Einheit des Ortes vs. wechselnde Orte
- Einheit der Zeit vs. keine Echtzeit (mehrere Wochen vergehen)
- Einheit der Handlung vs. kein durchgängiges Grundthema, stattdessen verschiedene Aspekte: Erst Liebe, dann Freundschaft, dann Humanität (erst Familientragödie, dann politisches Drama)
- Laut Schiller: Einheit ist gegeben, weil Freundschaft und Liebe geopfert werden müssen


Autor: Wissensmacherin