Werbung

"Ronja Räubertochter", eines der letzten Werke der Anfang dieses Jahrzehnts verstorbenen schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, gehört sicherlich zu ihren bleibenden. Es ist die Geschichte um ein Naturkind, eine Freundschaft, die über den Tod hinaus währt, und um eine innige Vater-Tochter-Beziehung, die beinahe zerbricht.

Denn Ronjas Vater Mattis ist gleichzeitig der regierende Räuberhauptmann im Mattiswald und lebt mit seiner Räuberbande auf der hohen Mattis-Burg. Die Freundschaft zu dem Sohn des rivalisierenden Räuberhauptmanns Borka hilft sogar die Kluft zwischen den beiden verfehdeten und unversöhnlichen Banden zu überbrücken. Was Lindgren schildert, ist eine farbenfrohe Welt, in der märchenhafte Elemente nicht fehlen, es ist die Rede von wilden Druiden, von Unterirdischen und Wichteln. Dies alles findet Ronja, die von früh auf, versehen mit den Ratschlägen des dienstältesten Räubers, Glatzen Per, durch den Mattiswald stromert. Inmitten einer überwältigenden Natur mit tosenden Wasserfällen, wilden Flüssen und tiefen Wäldern mit dunklen Rätseln findet sie ein Zuhause. Dort begegnet sie schließlich auch eines Tages Birk, dem Sohn Borkas. Aus anfänglicher Feindschaft wird eine enge Freundschaft. Eindrücklich schildert Lindgren die emotionale Gefühlswelt der Akteure, von Ronjas Sorge, ihre Freundschaft zu Birk könnte auffliegen, über Mattis Zornesausbrüche und der resoluten Mutter Lovis, die das Zerwürfnis zwischen Vater und Tochter wieder kittet.

Doch so groß die Probleme auch scheinen, am Ende siegt Lindgrens unverbrüchlicher Glaube an das Gute und alles findet seinen Platz. Und Ronja, die nach überstandener Fehde wieder in den Wald zieht, drückt ihren Jubel mit einem weit hallenden Schrei in den Wald hinein aus, der weithin zu hören ist: ihrem Frühlingsschrei. Auf diese Weise ist es Astrid Lindgren mit "Ronja Räubertochter" wiederum gelungen, eine faszinierende, märchenhafte Welt zu schaffen, in der die Gerechtigkeit ihren Platz hat. Der Roman ist keineswegs nur für Kinder geeignet; auch Erwachsene werden bemerken, dass erneut die Saiten des Wunderbaren in ihnen zu klingen beginnen.