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Der Goldene Kompass ist Philip Pullmans Einstieg in eine faszinierend schöne Fantasy - Trilogie. Der erste Band seiner "His-Dark-Materials" - Reihe entführt den Leser in die Welt der zwölfjährigen Lyra Belacqua. Diese Welt ist unserer sehr ähnlich, aber bei näherem Hinschauen doch völlig anders.

Beim Lesen fühlt man sich in das viktorianische London zurückversetzt, allerdings gibt es gravierende Unterschiede: Die Seelen der Menschen sind beispielsweise keineswegs unsichtbar, sondern sind in Tierformen manifestiert. So hat jeder Mensch einen Begleiter, mit dem er von Geburt an bis zu seinem Tode vereint ist. Auch Lyra besitzt einen solchen "Daemon" namens Pantalaimon.

Auch ganz anders sind die Weltstruktur und die Gesellschaftsordnung dieser Parallelwelt. Magie, Technologie und Religion sind eng miteinander verwoben, es regiert die - scheinbar allmächtige - Kirche. Ketzer werden gnadenlos verfolgt.

In diese Welt wächst die elternlose Lyra am Jordan College in Oxford auf. Sie ist ein wildes Kind, das sich gerne auch einmal Regeln widersetzt - und eine begnadete Lügnerin. Als immer mehr Kinder aus ihrer Umgebung entführt werden und schließlich auch ihr bester Freund, der Küchenjunge Roger, verschwindet, setzt Lyra alles daran, ihn zu retten. Ausgerüstet mit einem Alethiometer, einer Art goldenen Kompass, der richtig gelesen alle Fragen beantworten können soll und einer mysteriösen Prophezeiung macht sich Lyra auf den Weg.

Damit beginnt eine Reise, die den Leser nicht mehr loslassen wird. Sprechenden Eisbären, schönen wie weisen Hexen und anderen undurchschaubaren Gestalten begegnet man unterwegs.

Pullman versteht es meisterhaft, eine Welt zu erschaffen, in der die Figuren lebendig und echt dargestellt sind. Keine schwarz - weiß - Malerei, denn die "Guten" haben durchaus ihre schlechten Seiten und umgekehrt. Auch Lyra ist keine strahlende Heldin ohne Fehler, gerade zu Beginn des Buches wirkt sie nicht unbedingt sympathisch. Aber genau diese Fehler und Macken lassen einen die Figuren so ans Herz wachsen.

Das Buch ist nicht nur für Kinder ab etwa 10 Jahren eine spannende Lektüre, auch Erwachsene werden mit dem "Goldenen Kompass" eine Reise in eine faszinierende Parallelwelt unternehmen, die reichlich Stoff für philosophische Diskussionen aufwirft.